Praxis-Beispiele: Oscar – Das Strom-Auto

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Für die Bekanntheit von Oscar – dem schmalen, windschnittigen Strom-Auto, das für zwei hintereinander sitzende Personen Platz bietet – gibt es viele Gründe: Oscar ist ein fahrbereites Konzept für umweltfreundliche Mobilität, vorrangig für Städte und Ballungsgebiete geeignet. Oscar ist ein Einliter-Auto, was bei steigenden Rohstoffpreisen ein attraktives Argument für potenzielle Käufer in den avisierten Regionen sein sollte. Auch die Form ist aufsehenerregend, lässt das Design doch an eine futuristische Version eines Messerschmitt Kabinenrollers denken.

Abbildung 55: Oscar – Das Strom-Auto
Abbildung 55: Oscar – Das Strom-Auto[1]

Oscar wurde allerdings nicht von einem der großen Autohersteller gebaut, sondern ist ein Open Source-Auto (Oscar steht als Abkürzung für Open Source-CAR), das Ende 1999 als freies und offenes Hardware-Projekt aufgesetzt wurde, mit dem Ziel, über das Internet ein Konzept für ein umweltfreundliches Auto zu erstellen, dass überall auf der Welt modulartig zusammengebaut werden kann und dessen Module flexibel verwendbar sind. Über die Projekt-Webseite konnten über tausend Beteiligte, darunter vor allem Studenten, aber auch Ingenieure, Autobauer, Elektrotechniker und Designer gewonnen werden, die an dem Konzept für ein baufertiges Auto mitgearbeitet haben und es noch immer kontinuierlich weiterentwickeln.

Abbildung 56: Projekt-Webseite des Open Source-Autos
Abbildung 56: Projekt-Webseite des Open Source-Autos[1]

Der Ideengeber für Oscar, Markus Merz, hat in einem Manifest, das auf der Projektseite mittlerweile außer auf Deutsch und Englisch auch auf Französisch, Rumänisch und Ungarisch zu finden ist, die Idee oder besser die Vision geschildert und sie damit allen Interessierten zugänglich gemacht. In diesem Manifest beschreibt Merz die Ziele, den Weg und die Werkzeuge: „Einen Kopf, zwei oder drei Hände und einen Computer im Netz. … Gut wir wollen versuchen, eine Website zu bauen, die eurem Tatendrang keinen Widerstand leistet. Der Rest wird sich schon ergeben. … Sollte es das eine oder andere Werkzeug, das wir brauchen, egal ob im Web oder in der Werkstatt, nicht geben, dann werden wir es eben erfinden… Ich verlass mich da auf die vielen klugen Köpfe dieser Welt…“[1]

Für die Gemeinschaft wurden einige Grundregeln festgehalten:

  • „... Vertrauen ist die Basis unserer Zusammenarbeit.
  • Jeder hat eine Stimme.
  • Wissen ist frei.
  • Die Sprache ist frei. ...
  • Die kluge Mehrheit entscheidet. ...
  • Was im Web steht, stimmt.
  • Wir werden, wann immer möglich, miteinander reden.
  • Es ist nett, wichtig zu sein, aber es ist wichtiger, nett zu sein.“[1]

Damit hat Merz ähnliche Grundgedanken formuliert, wie sie auch in der Wikipedia oder in unzähligen Open Source-Projekten immer wieder auftauchen. Die flexible Planung und Regelauslegung ermöglichen ein kurzfristiges Reagieren auf aktuelle Entwicklungen und Ideen, die emergente und inkrementelle Entwicklung führen zu Schnelligkeit und einem relativ geringen Aufwand für Managementtätigkeiten, die offene Kommunikation und das Vertrauen in die Community bilden die Basis für die erfolgreiche Zusammenarbeit – hier konnten die im Wikimanagement identifizierten Erfolgsfaktoren bereits praktisch unter Beweis erstellt werden.

Bereits seit 1996 entwickeln und bauen die Mitglieder der Werkstatt der Akademischen Solartechnikgruppe e.V. (Akasol) an der Technischen Universität Darmstadt erfolgreich, zusammen mit zahlreichen Partnern aus Industrie und Wirtschaft, Solar- und Elektrofahrzeuge. Durch Akasol wurde auch die Umsetzung von Oscar übernommen. In der Werkstatt an der TU Darmstadt bauten die Studenten nicht nur das komplette Fahrzeug. Ihr Ziel ist es auch, die verschiedenen Komponenten des Wagens bis zur Serienreife zu entwickeln. Akasol will zusammen mit Partnern eine erste Serie von 1000 Autos auf den Markt bringen, um die Alltagstauglichkeit testen zu können.[1] Eine Frage der Zeit also, bis das erste Open Source-Car in einer Großstadt live zu bestaunen ist.



Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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