A.2.9 Open Source Software - Mehr als Linux

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A.2.8 Virtuelle Welten – Das zweite Leben im Web A.2.9 Open Source Software - Mehr als Linux Abschnitt B

Schon viele Jahre bevor mit Wikipedia ein nicht-kommerzielles Projekt in Wettbewerb mit großem Erfolg eine Alternative zu kommerziellen (Enzyklopädie)-Angeboten schuf, gab es im Bereich der Software eine Bewegung, die nach ganz ähnlichen Mechanismen funktionierte und ebenfalls sehr wettbewerbsfähige Produkte entwickelte. Als Open Source Software lassen sich einzelne Projekte wie Linux bis in die frühen 90er Jahren zurückverfolgen. Neben dem inzwischen sehr bekannten und weitverbreiteten Betriebssystem Linux gibt es inzwischen eine Vielzahl anderer Projekte, die ebenfalls eine hohe Verbreitung gefunden haben.[1] Weitere bekannte Open Source-Softwareprodukte sind etwa der Webbrowser Mozilla Firefox und im betrieblichen Umfeld die Open Source Datenbank mySQL (Marktanteil über 30 Prozent[1]) oder der Web-Server Apache (Marktanteil über 60 Prozent[1]). Laut einer Studie von Forrester aus dem Jahr 2005 nutzten bereits damals über 50 Prozent der Unternehmen Open Source Software oder planten dies innerhalb der nächsten Monate zu tun.[1]

Als Open Source-Software werden Software-Lösungen bezeichnet, die

  • einen frei verfügbaren offenen Quellcode (‚Open Source‛) anbieten,
  • in einem kollaborativen Entwicklungsprozess auch durch lose assoziierte Freizeit-Entwickler vorangetrieben werden und
  • mit einer kostenfreien Lizenz zur Verfügung stehen.

Bei Open Source-Software sind der Quellcode und die Software öffentlich über das Internet verfügbar. Es gibt keine Einschränkungen hinsichtlich der Nutzergruppen: Privatpersonen, öffentliche Institutionen und Unternehmen sind gleichermaßen zur Nutzung berechtigt.[1] Die Software wird mit der kostenfreien Lizenz GPL vertrieben.[1]

Die Arbeit an den Open Source-Software-Projekten erfolgt normalerweise ohne Bezahlung in der Freizeit. Jeder Internetnutzer, der über ausreichende Programmierkenntnisse verfügt, kann an der Weiterentwicklung und Verbesserung von Open Source-Projekten mitarbeiten. Resultat ist ein kollaborativer Entwicklungsprozess, in den räumlich verteilte Entwickler ihre Leistungen entgeltfrei einbringen.[1]

Durch den Erfolg der Open Source-Software-Projekte haben sich jedoch inzwischen viele Sponsoren gefunden, die an der Weiterentwicklung interessiert sind und daher die Projektteilnehmer bezahlen, so dass sie in Vollzeit an der Open Source-Software arbeiten können.[1]

Das bekannteste Projekt für Open Source-Software ist Linux, das Betriebsystem, das von Linus Torvalds initiiert und von unzähligen anderen Programmierern kollaborativ weiterentwickelt wurde. Die Offenheit von Linux, die Berücksichtigung von Standards, die Leistungsfähigkeit und die kostenfreie Verfügbarkeit haben dazu geführt, dass Linux heute nicht nur von Unternehmen und Behörden genutzt wird, sondern auch von immer mehr Privatanwendern.[1] Hinzu kommt, dass sich die Open Source-Entwicklungen seit Jahren auch bereits den Ruf geschaffen haben, weniger anfällig für Viren zu sein.[1]

Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet fanden Open Source-Entwicklungen eine steigende Zahl von aktiven Entwicklern sowie Nutzern. Für die Entwicklung und Projektarbeit, die Koordination der Aktivitäten der unterschiedlichen Entwickler, den Überblick über die verschiedenen Entwicklungen wird das Web als Plattform genutzt. Über Plattformen wie Sourceforge.net haben Initiatoren von Open Source-Projekten die Möglichkeit, die Arbeit an dem Projekt zu koordinieren und andere Entwickler zu finden. Neben reinen Open Source- Projekten haben sich dabei inzwischen auch weitere Spielarten entwickelt. So etwa das Dual Licensing. Ein Beispiel ist die Open Source-Datenbank mySQL, die ebenfalls in Form des Dual Licensing vertrieben wird und in einer lizenzkostenfreien ‚reinen‛ Open Source und einer lizenzkostenpflichtigen Version mit Zusatzvorteilen vertrieben wird.[1]

Nicht nur die Zusammenarbeit im Netz unter den Entwicklern hat sich in den letzten Jahren rapide weiterentwickelt. Vor allen ist die Vielfalt an Angeboten konstant gestiegen. Neben freien Security-Programmen (Antiviren-Software, Anti-Spyware etc.) haben sich auch Programme zur Verwaltung von Bildern (GDPhotos), Projekten (Gantproject), Networking (Filezilla oder auch Zenos Core Enterprise IT Monitoring), Mindmapping (FreeMind) oder auch Finanzen (Openbravo ERP) etabliert. Unzählige Spiele ermöglichen Unterhaltung daheim oder im Internet. Sowohl Tools, die die Arbeit am eigenen PC erleichtern, als auch solche, die die Kollaboration im Web und die Erstellung von Inhalten im Internet erleichtern, gibt es in einer großen Vielzahl.

Abbildung 16: Open Source-Plattform Sourceforge
Abbildung 16: Open Source-Plattform Sourceforge[1]

Eine der bekanntesten Anwendungen aus dem Open Source-Kontext ist neben dem Betriebssystem Linux der weitverbreitete Web-Browser Mozilla Firefox, der Microsofts Internet Explorer Konkurrenz macht. Der Mozilla Firefox-Browser ist der Nachfolger des legendären Netscape-Browsers, der 1998 unter einer Open Source-Lizenz freigegeben wurde. Mittlerweile hat der Firefox-Browser nach Einschätzung von Experten wie Möller den Internet-Explorer im Funktionsumfang und Bedienungskomfort bereits überflügelt.[1]

Bleibt die Frage, wie es hunderten von Entwicklern weltweit gelingt, komplexe Systeme wie das Betriebssystem Linux zu schaffen, Fehler schnell zu beheben und laufend neue Funktionalitäten zu ergänzen. Dies wird in Abschnitt B.7.1 aus der Sicht der Organisationsgestaltung weiter erörtert.




Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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