A.2.7 Bewertungssysteme – Wie gut ist das Hotel?

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A.2.6 Social Bookmarking – Was finden die anderen gut? A.2.8 Virtuelle Welten – Das zweite Leben im Web

Wenn Internet-Nutzer gemeinsam die kompliziertesten Sachverhalte in einer Internet-Enzyklopädie darstellen können, so liegt es nahe, auch die Erfahrungen des täglichen Lebens systematisch füreinander zugänglich zu machen oder untereinander Rat zu suchen und zu geben. Hier setzen die internet-basierten Bewertungsportale an.

Nutzung von Bewertungsportalen nach Online-Nachschlagewerken wie Wikipedia mit großem Abstand das zweitwichtigste Anwendungsfeld der dort als Social Web bezeichneten Angebote.[1]

Bewertungsportale lassen sich nach den Schwerpunkten der Produkte bzw. Bewertungsobjekte gliedern. Verbreitet sind Portale, die auch als Shopping-Portale oder Communities bezeichnet werden können. Portale wie ciao.de oder dooyoo.de haben inzwischen nach eigenen Angaben Bewertungen und Preisvergleiche zu mehr als zwei Mio. (ciao)[1] bzw. 1,5 (dooyoo.de)[1] Mio. Produkte und Dienstleistungen gespeichert. Ein weiteres deutschsprachiges Bewertungsportal Yopi.de verfügt über einen Katalog, der mehr als 1,3 Mio. Produkte umfasst.[1]

Die in diesen Portalen erfassten Erfahrungs- oder Testberichte werden von den registrierten Nutzern erstellt und sollen persönliche Erfahrungen mit den Produkten für Dritte vor dem Kauf zugänglich machen. Zur Steigerung der Qualität der Berichte haben die Leser die Möglichkeit diese wiederum auf einer Skala von ‚sehr hilfreich‛ bis ‚nicht hilfreich‛ zu bewerten. Als Anreiz für die bewertenden Personen belohnen die Portale Bewertungen in Form von Geldprämien oder ‚Webmeilen‛, die wiederum in Prämien umgetauscht werden können. In welcher Höhe der jeweilige Beitrag prämiert wird, hängt von der Anzahl der Aufrufe und den Bewertungen des Beitrags durch die anderen Nutzer ab.

Nachdem Anbieter wie ciao.de zunächst mit dem Schwerpunkt Produktbewertungen und Erfahrungsberichte gestartet sind, spielt inzwischen auch die Preisvergleichsfunktionalität eine wichtige Rolle. Mit der Funktionalität des Preisvergleichs stehen diese Angebote inzwischen im Wettbewerb mit Anbietern wie geizkragen.de, guenstiger.de oder froogle.de, wobei gleichzeitig zu beobachten ist, dass auch derartige Preisvergleichsportale die Möglichkeit der Produktbewertung geben. Auch erlaubt beispielsweise geizkragen.de die Bewertung von Lieferanten. Womit sich dann wiederum eine weitreichende Überschneidung zu den bei Amazon und insbesondere eBay wichtigen Möglichkeiten zur Bewertung von Händlern bzw. Verkäufern ergibt. Insgesamt lässt sich damit in verschiedenen Aspekten ein zunehmendes Zusammenwachsen und Verschwimmen von Bewertungs- und Informationsangeboten bei Bewertungsportalen, Preisvergleichsangeboten und sogar Handelsplattformen feststellen. In allen Fällen spielt aber die Bewertung durch die Konsumenten eine wichtige Rolle. Der Konsument gewinnt damit deutlich an Einfluss und kann seinen positiven wie negativen Erfahrungen deutlich mehr Gewicht verleihen.

Neben den oben beschriebenen breit aufgestellten allgemeinen Bewertungsportalen, die zu den verschiedensten Produkten Bewertungen sammeln, haben sich zudem eine Vielzahl von Bewertungsplattformen für spezialisierte Betrachtungsbereiche etablieren können.

Im Bereich der Angebote für Unternehmenskunden bietet etwa benchpark.com die Möglichkeit, auf Bewertungen von Agenturen im Bereich Marketing und Kommunikation sowie Anbieter im Bereich Software und Informationsmanagement sowie Beratung und Weiterbildung zurückzugreifen. Hier wird der Anreiz eine Bewertung einzustellen dadurch geschaffen, dass der Zugang zu den bestehenden Bewertungen erst nach dem Einstellen eigener Bewertungen gewährt wird. Der Nutzer muss also zunächst einen ersten Beitrag in der Community leisten, um dann von ihr profitieren zu können.

Einen weiteren sehr spezifischen Bereich deckt das Bewertungsportal MeinProf.de ab. Dort werden Hochschuldozenten und Veranstaltungen bewertet. Über 250.000 Bewertungen erlauben es der Plattform inzwischen sogar, daraus ein Hochschulranking nach Professoren-Beliebtheit abzuleiten und so eine neue Facette in die allgemeine Diskussion um Hochschulrankings einzubringen.[1] Mit der Bewertung der Fachhochschulen Aschaffenburg, Koblenz und Landshut auf den ersten drei Rängen und vor allen Universitäten zeigt sich ein interessanter Quervergleich, den andere Rankings durch die Trennung zwischen Fachhochschulen und Universitäten nicht unterstützen.[1]

Auch bei den Dozentenbewertungen beginnen sich die Angebote zu überschneiden. So erlaubt Spickmich.de, eigentlich ein soziales Netzwerk für Schüler, die Benotung von Lehrern und erstellt auch Schulrankings.[1]

Ein weiteres Feld in dem Bewertungsportale schon seit einigen Jahren eine wichtige Rolle spielen ist die Reisebranche. So bieten beispielsweise holidaycheck.de, venere.com und hotelcheck.de die Möglichkeit, Hotels oder sogar Schiffe zu bewerten. Dabei kann holidaycheck nach eigenen Angaben inzwischen auf über 600.000 Hotel-Bewertungen und venere.com auf immerhin 375.000 Hotel-Bewertungen zurückgreifen.[1]

Auch bei den Hotelbewertungen gibt es ein zunehmend vielfältigeres Angebot. Nach Anbietern wie holidaycheck, die durch die Bewertungen ihr Profil definiert haben, bieten inzwischen auch klassische Verkaufsplattformen für Touristikdienstleistungen zunehmend Bewertungsmöglichkeiten. So bietet inzwischen auch die Hotelvermittlung Hotel Reservation Service (www.hrs.de) Hotelbewertungen. Gleichzeitig entwickeln sich die klassischen Bewertungsportale der Reisebranche zu allgemeinen Reisecommunities weiter. So können beispielsweise bei holidaycheck Urlaubsbilder, Urlaubsvideos und Reisetipps eingestellt werden.

Insgesamt lässt sich in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme von Angeboten, aber vor allem auch eine gestiegene Beteiligung durch Nutzer bei der Bewertung der verschiedensten Angebote und Produkte feststellen. Mit zunehmender Anzahl von Bewertungen zu immer mehr unterschiedlichen Produkten gewinnen die Portale weiter an Relevanz und werden so eine immer bedeutendere Grundlage für die (Kauf-)entscheidungen einer nochmals viel größeren Zahl von Menschen. Der zugrundeliegende Wandel – auch als Wandel von ‚Consumer‛ zum ‚Prosumer‛[1] bezeichnet, gibt den Kunden eine gut vernehmbare und beachtete ‚Stimme‛. Dieser Wandel stellt zugleich neue Anforderungen an das Management, die im Abschnitt C.2.5 weiter behandelt werden.



Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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