A.2.3 Podcasting – Von den Möglichkeiten, sein eigener Programmchef zu sein

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„Hier ist Berlin, Voxhaus.“ Mit diesen Worten wurde am 28. Oktober 1923 die erste Rundfunksendung in Deutschland eröffnet. Der Wunsch, die Vision, Nachrichten aus der Ferne zu verbreiten und Distanzen mit der Stimme zu überwinden, die auf natürlichem Wege nicht erreichbar sind, war Ende des 19. Jahrhunderts mit der Entdeckung der elektromagnetischen Wellen durch Heinrich Hertz möglich geworden. Seit den 20er Jahren wurden Rundfunkstationen zu Unterhaltungszwecken zunächst in den USA und Holland gegründet. Plötzlich gab es Musik und Informationen vom Sender direkt ins Wohnzimmer, wobei im Jahre 1923 nur sehr wenige die ersten Stunden des Rundfunks verfolgen konnten.[1]

Eine weite Verbreitung fand der Rundfunk mit der zunehmenden Zahl an Angeboten, vor allem aber mit neuen Technologien, moderneren Radiogeräten und dem Einzug der Steckdosen in die Wohnzimmer. Als besonders schnelles Übertragungsmedium für Nachrichten und Reportagen, als Medium der größten Reichweite ist das Radio mit seiner uneingeschränkten Verfügbarkeit bis heute von immenser Bedeutung.[1] Das Angebot hat eine unglaubliche Vielfalt erreicht – und doch konnte noch immer nicht jeder genau dann das hören, was er gerade wollte. Hörspiele, die spätabends oder tagsüber gesendet werden, wenn man wegen der Arbeit nicht zuhören kann; Reportagen zu speziellen Themen, Musik bestimmter Komponisten sind zwar prinzipiell verfügbar, aber passen oft nicht in den individuellen Zeitplan des Hörers.

Abhilfe für dieses Dilemma des bisher nicht individualisierbaren Radios schaffen Podcasts. Dabei handelt es sich um eine Art Radiosendung bzw. eine Serie von Sendungen, die in den meisten Fällen kostenlos im Internet veröffentlicht wird/werden. Audio- und Video-Dateien zu den unterschiedlichsten Themen werden sowohl von kommerziellen Anbietern und Rundfunk- bzw. Fernsehanstalten zum Download angeboten, als auch von Privatpersonen, die die Möglichkeit nutzen, ihre Inhalte auf verschiedenen Plattformen zu platzieren und zu kommunizieren. Interessierte können durch die Nutzung von Podcasts selbst bestimmen, wann sie etwas sehen bzw. hören wollen – sie werden zu ihren eigenen Programmchefs.

Der Begriff Podcast an sich beschreibt meistens eine Audio-Datei, während Video-Podcasts das visuelle Pendant hierzu darstellen. Podcasting (ein Begriff zusammengesetzt aus Apples beliebtem mp3-Player iPod und dem englischen Begriff „Broadcasting“, was so viel bedeutet wie „Rundfunk“ oder „Sendung“) wiederum beschreibt das Produzieren und Anbieten von Podcasts.[1]

Bereits im Jahr 2000 konnte man im Internet Audiodateien anhören und herunterladen, damals noch als „Audioblogging“ bekannt. Seit dem Jahr 2004 hat sich diese Möglichkeit unter dem Namen Podcasting zusehends verbreitet. Als im Jahr 2005 die Firma Apple auf den Zug der Podcasts aufsprang, war der Erfolg dieses Konzepts gesichert. Auch wenn Apple nicht als Erfinder des Podcasts gilt, so hat das Unternehmen doch immens durch die kostenlose Software iTunes und den iTunes Music Store zur Popularität des Podcasting beigetragen.[1] Die iTunes Software ist nicht nur für Besitzer eines iPod attraktiv, sondern auch für andere User, denn mit diesem Programm kann man nicht nur Musik hören und diese beliebig ordnen, sortieren, gruppieren, CDs auf die Festplatte überspielen und Musik-CDs oder DVDs brennen und für diese Cover ausdrucken, sondern es ist auch möglich, Podcasts kostenlos zu abonnieren und zu verwalten. Auch bei Video-Podcasts hat Apple durch die Einführung des Video-iPod eine entscheidende Rolle für die Popularität gespielt. Für beide Formate kann man automatisch über einen Newsfeed zu einem bestimmten Podcast in regelmäßigen Abständen neue Episoden beziehen.

Einen großen Beitrag zur wachsenden Popularität des Podcasting hat vor allem die Weiterentwicklung der Technik gespielt. Während Audio-Dateien vor zehn Jahren noch viel Speicherkapazität verbrauchten, die PCs weniger Speicherkapazität hatten und die verfügbaren Übertragungsbandbreiten gering waren, bieten heute das mp3-Format, verbesserte Technologien bei Computern, eine angepasste Grundausstattung an Software, schnelle Internetverbindungen und niedrige Preise für benötigte Hardware neue Möglichkeiten.[1] Ein Podcast kann heute ganz leicht zu Hause mit einem Computer, einer Soundkarte und einem Mikrofon (oder jedem anderen beliebigen Aufnahmegerät) erstellt werden. Hierfür gibt es auch verschiedene Software-Programme, die das Verfahren vereinfachen sollen, zum Beispiel RecordForAll oder ReplayRadio.[1] Die Datei wird in einem Platz sparenden Format aufgenommen (bei Audio-Dateien meist mp3, bei Videodateien meist mpeg) oder in ein solches verwandelt. Die Datei wird auf einem Server im Internet bereitgestellt. Dadurch kann dann jeder beliebige User die Datei entweder direkt von der Webseite oder dem Blog, wo die Datei vermerkt ist, auf seinen PC bzw. direkt auf seinen mp3-Player herunterladen oder ganz einfach mittels eines so genannten Newsfeeds wie RSS (Really Simple Syndication) über ein Abonnement beziehen.

Abbildung 7: Schematische Darstellung eines Audio-Podcasts
Abbildung 7: Schematische Darstellung eines Audio-Podcasts[1]

Die Inhalte von Podcasts sind so unterschiedlich wie ihre Ersteller, jedoch handelt es sich oft um Nachrichten- und Musiksendungen (wie zum Beispiel von Radio- oder Fernsehsendern), Special-Interest-Angebote (kommerziell erstellte Podcasts) sowie private Sendungen zu verschiedenen Themen. Mittlerweile gibt es auch Podcast-Charts, Dauerbrenner hier sind zum Beispiel „BBC Today“ oder auch die Show des MTV-Moderators Adam Curry „Daily Source Code“[1], die als Mutter aller Podcasts gilt und bereits seit dem Jahr 2000 im Internet zu finden ist.

Auch in Deutschland werden die Podcasts bewertet und gerankt. Beispiele finden sich bei rbb online (Radio Berlin Brandenburg)[1] oder auch Top-10-Charts.com[1]. Dabei fallen in das Ranking die unterschiedlichsten Themen; vom Discounter-Podcast, der Schnäppchenjägern die Jagd nach Sonderangeboten erleichtert, bis hin zum Tagesschau-Podcast, dem Nachrichtenpodcast der ARD. Die Top-10-Charts der Musikbranche werden auch nicht mehr rein nach verkauften CDs gerankt, längst gibt es die itunes Single-Charts, die itunes-Charts für Rock-Alben oder auch für Hip Hop. Wie bei vielen Radiocharts, die auf Basis der Anrufe von Zuhörern gerankt wurden, werden die Charts heute durch Abstimmungen im Netz erstellt.

Abbildung 8: Podcast-Charts in Deutschland
Abbildung 8: Podcast-Charts in Deutschland[1]

In Deutschland bieten Seiten wie podcast.de, podster.de oder auch wiki.podcast.de den Nutzern eine Möglichkeit, sich einfacher durch die Vielzahl an angebotenen Podcasts zu navigieren. Aktive Community-Miglieder haben auch die Möglichkeit, die Podcasts zu bewerten und zu kommentieren. Für Podcaster, die auf der Suche nach bestimmten Themengebieten wie beispielsweise Wissen, Geschichte, Comedy oder Musik sind, werden die Angebote mittels Stichworten geclustert und so die Navigation und die Übersichtlichkeit vereinfacht.

Dabei geht die Nutzung von Podcasts längst weit über die Verbreitung von Nachrichten, Musik und Hörspielen hinaus. Politiker haben das moderne Medium für ihre Kommunikationszwecke ebenso entdeckt wie Unternehmensvorstände oder auch Marketingagenturen. So nutzt Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits seit 2006 das populäre Medium, um per Video-Podcast alle Interessierten über aktuelle Themen zu informieren.[1] Im US-Wahlkampf werden Video-Podcasts und die entsprechenden Plattformen umfassend eingesetzt, um möglichst viele potenzielle Wähler erreichen zu können.[1]

Eine der bedeutendsten Plattformen für die Verbreitung von Video-Podcasts ist YouTube.com. Hier können Benutzer einfach Dateien hochladen, ansehen und runterladen. Dazu gehören einerseits selbst gedrehte Videos, die nicht nur verschiedene Bands berühmt gemacht haben, sondern auch einen britischen Rentner. Es kommt jedoch auch immer wieder vor, dass Kinofilme oder Serien aufgenommen und bei YouTube eingestellt werden. Die dadurch entstehenden Copyright-Probleme haben bereits mehrfach dazu geführt, dass YouTube von Medienunternehmen verklagt wurde.[1] Mit einer Begrenzung der Spielzeit der eingestellten Filme versucht YouTube, die Copyright-Probleme zu begrenzen. Inzwischen haben aber auch Unternehmen wie NBC-Universal erkannt, dass die Popularität von YouTube auch für die eigene Marke von Nutzen sein kann und ist eine strategische Partnerschaft mit YouTube eingegangen.[1] Auch der britische Sender BBC stellt inzwischen Aufzeichnungen oder Ausschnitte von verschiedenen Sendungen bei YouTube ein, um die Popularität der Sendungen zu steigern sowie der illegalen Verbreitung entgegen zu wirken.

Die Nutzer von YouTube.com bilden dabei eine Art von Community. Sie können die Videos der anderen Benutzer abonnieren, Abonnement-Listen anderer Nutzer durchstöbern, Nachrichten austauschen und Beiträge kommentieren. Videofilme, die auf YouTube.com gefunden oder eingestellt werden, können leicht auch in die eigene Website eingebunden werden, was zusätzlich für die Verbreitung und Bekanntheit der Plattform sorgt.

Neben YouTube.com existieren selbstverständlich weitere Angebote, bei denen das Einstellen von Videos möglich ist. So bieten beispielsweise die im nächsten Abschnitt behandelten sozialen Netzwerke wie myspace.com, mit über 110 Millionen Nutzern weltweit eine der größten Communities für Vernetzung, ihren Nutzern auch die Möglichkeit, Videos in ihre Seite einzubinden. [1]



Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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