A.2.2 Weblogs, Foto-Alben und Mashups – Mehr als Tagebücher

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A.2.1 Wikis – Schnell, schnell aufschreiben, austauschen und finden A.2.3 Podcasting – Von den Möglichkeiten, sein eigener Programmchef zu sein

Als am 11. September 2001 vier Flugzeuge entführt und als Waffen missbraucht wurden, war die Welt nicht nur im technischen Sinne sprachlos. Technisch, weil die Kommunikationsnetze überlastet zusammenbrachen; im weiteren Sinne, weil die Menschen mit der Verarbeitung des Unvorstellbaren an ihre Grenzen kamen. Mit der Darstellung der eigenen Erfahrungen und Emotionen fand zugleich die Geburt des Weblogs als weitverbreitetes Medium statt. Wurden Weblogs zuvor nur von einer kleinen Gruppe besonders internet-affiner Nutzer genutzt, so fand das neue Medium ab September 2001 nun Zuspruch durch eine deutlich größere Zahl von Menschen, die so ihre ganz persönlichen Tagebücher für die Öffentlichkeit zugänglich ins Web einstellten. Der 11. September wird daher auch als Geburtsstunde des Weblogs bezeichnet.[1] Im deutschsprachigen Raum spielte zudem die Tsunami-Katastrophe eine Schlüsselrolle. Hier wurde an vielen Stellen Anfang des Jahres 2005 erkannt, welche Vorteile der ‚Graswurzel-Journalismus‛ durch Weblogs im Vergleich zu der Informationsversorgung durch klassische Medien wie das Fernsehen ermöglicht.[1]

Der Begriff Weblog, oder kurz ‚Blog‛, ergibt sich als Kunstwort aus ‚Web‛ und ‚Logbook‛. Die einfach aufgebauten Webseiten, auf denen Inhalte jeglicher Art in chronologisch absteigender Form angezeigt werden, ermöglichen es einer breiten Gruppe von Nutzern, eigene Erlebnisse zu erzählen, Meinungen zu veröffentlichen, zu kommentieren, zu beobachten. Ein Weblog kann die Form eines Tagebuchs oder Journals haben sowie die Form einer Linksammlung zu anderen Webseiten annehmen. Der Autor ist dabei entweder eine einzelne Person oder auch eine Gruppe. Alle Inhalte sind in der Regel durch Links mit anderen Webseiten verlinkt und können unmittelbar durch den Leser kommentiert werden.[1] Weitere wichtige Eigenschaften von Weblogs sind der Permanentlink oder ‚Permalink‛, also ein dauerhafter Link, der die direkte Vernetzung auf einen einzelnen Beitrag innerhalb Weblogs ermöglicht. Zur Information über neue Beiträge werden so genannte ‚Feeds‛ angeboten. Diese erlauben es Lesern mit Hilfe von ‚Feedreadern‛ wie Feedburner (www.feedburner.com) über neue Beiträge informiert zu werden. Einzelne Weblogs unterstützen außerdem so genannte Trackbacks, diese zeigen die Verlinkungen auf den jeweiligen Blog und geben so Aufschluss darüber, welche anderen Blogs sich mit dem jeweiligen Blog auseinandersetzten bzw. auf ihn verweisen. Weblogs können entweder auf eigenen Webservern installiert werden (beispielsweise Wordpress) oder auch auf speziellen Blog-Plattformen wie blogger.de oder twoday.net eingerichtet werden.[1]

Die ersten Blogs existieren bereits seit den ersten Tagen des WWW.[1] Eine weite Verbreitung erlangten sie jedoch erst ab Ende der 90er Jahre, als es durch Services wie Xanga.com, LiveJournal.com oder auch blogger.com für jedermann einfach wurde, Blogs einzurichten. Ihre Zahl wuchs von 100 in 1997 auf über 70 Mio. im März 2007.[1] Blogs gibt es mittlerweile in den unterschiedlichsten Ausprägungen – als Themenplattformen, für journalistische Publikationen, zum Zwecke der internen oder externen Unternehmenskommunikation, als private Tagebücher oder auch als Tools im Projekt- und Wissensmanagement.[1] Das Wissenschaftsmagazin nature stellt einen Peer-to-Peer-Blog all jenen zur Verfügung, die als Gleichberechtigte unter Gleichen Beiträge kritisch hinterfragen und prüfen.[1]

Spreeblick.com, einer der bekanntesten und beliebtesten deutschen Blogs, bietet Platz für allerlei Kommentare. So erreichte ein Eintrag über den erfolgreichen und reibungslosen Wechsel von einem Telefonanbieter zum nächsten innerhalb weniger Tage über 50 Kommentare.[1] Aktuelle nationale und internationale politische Themen werden ebenso diskutiert wie die Tücken und Weisheiten des Alltags, Popevents und alltagsphilosophische Fragestellungen.[1] Webseiten wie deutscheblogcharts.de helfen interessierten Bloggern bei der Navigation durch die unzähligen Angebote an Blogs.

In Ländern, in denen die freie Meinungsäußerung behindert wird, stellen Blogs ein wichtiges Medium dar, um den Stimmen jenseits der staatlichen Medien eine Plattform zu geben. So nutzen in China eine Vielzahl von Bloggern das Internet, um ihre individuelle Meinung trotz eines Systems von geschätzten 50.000 ‚Internet-Polizisten‛, die das Web permanent nach systemkritischen Inhalten durchsuchen, darzustellen.[1]

Grundsätzlich können die unterschiedlichen Blogs in drei Typen kategorisiert werden.[1] Bei den persönlichen Blogs handelt es sich um die klassischen Online-Tagebücher mit meist rein privaten Texten. Ein Beispiel für einen solchen Blogs ist der taxiblog (taxiblog.de) eines Paderborner Taxifahrers, der seit Jahren über seine Erlebnisse und Eindrücke aus der Nachtschicht berichtet. Zu den persönlichen Blogs gehören aber auch soziale, kulturelle und politische Blogs, sofern sie aus reinem Interesse des Autors an dem Thema geschrieben werden.

Professionelle oder auch Business Blogs dienen der Know-how Übermittlung zu einem Thema, wobei es sich um Produkte, Technologien, Dienstleistungen oder auch gesellschaftlich relevante Themen handeln kann. Hierunter fallen beispielsweise auch solche kulturellen oder politischen Blogs, die aus einer beruflichen Intention heraus verfasst werden. Eine wichtige Gruppe innerhalb dieser Kategorie sind die so genannten Corporate, CEO- oder auch Executive-Blogs. So bloggen beispielsweise unter http://fastlane.gmblogs.com/ Top-Manager von General Motors, unter http://blogs.sun.com/jonathan/ stellt Jonathan Schwarz, CEO von Sun, seine Gedanken zu aktuellen Themen dar. Auch in den Corporate und Executive- Blogs lassen sich die typischen Merkmale des persönlichen Schreibstils und der persönlichen Perspektive in der Darstellung ausmachen. Derartige Blogs stehen somit an vielen Stellen im Kontrast zu den sonst doch oft betont sachlichen Unternehmensdarstellungen.

Community-Blogs bilden die dritte Gruppe der Blogs. Sie definieren sich über ihre Zielgruppen und bieten Informationen zum zugehörigen Thema. Verbreitet sind beispielsweise Blogs von Software-Entwicklern. In diese Kategorie fallen auch Blogs, die von Gegnern eines bestimmten Themas, wie beispielsweise ihatedell.net, der Blog der Dell-Gegner, geschrieben werden. In Deutschland findet www.bildblog.de als Watchblog für die Bildzeitung hohe Aufmerksamkeit.

In Deutschland bloggten im Herbst 2007 rund 2,1 Mio. mehr oder weniger aktive Internutzer, von denen 1,6 Mio. in fremden Blogs Beiträge leisteten, 880.000 schrieben gelegentlich in ihren eigenen Blogs und 340.000 machten dies regelmäßig.[1] Im weltweiten vergleich ist Deutschland damit jedoch nach wie vor ein Entwicklungsland, auch wenn die Zahl der Blogger in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist.[1] Technorati (www.technorati.com), Suchmaschine mit besonderem Schwerpunkt im Bereich der weltweiten Weblogs, berücksichtigt bei seinen Suchauskünften im November 2007 nach eigenen Angaben 111,5 Mio. Weblogs. Jeden Tag werden 175.000 neue Blogs registriert und täglich werden 1,6 Mio. neue Weblog-Einträge erfasst.[1] Bei einer Erhebung der so genannten ‚Blogosphere‛ durch Technorati im März 2007 wurden über 70 Mio. Blogs verfolgt, weniger als 1 Prozent davon deutschsprachig. Hingegen stellen die japanischen Blogs mit 37 Prozent die meisten Blogs. Gefolgt von englischsprachigen (36 Prozent) und chinesischen (8 Prozent). Der Anteil von italienischen und spanischsprachigen Blogs mit jeweils 3 Prozent und portugiesischen Blogs mit immerhin 2 Prozent verdeutlich die höhere Begeisterung für Blogs in anderen Nationen.[1]

Nach der Möglichkeit der Veröffentlichung von Texten aus den verschiedensten Kontexten heraus, lag auch die Veröffentlichung von Bildern schnell nahe. Seit im Jahr 2002 die Firma Ludicorp die flickr-Website als Nebenprodukt zu einem Computerspiel ins Netz stellte, begann die Zusammenstellung des größten Fotoalbums der Welt, wobei sich schnell zeigte, dass flickr wesentlich erfolgreicher war, als das Hauptprodukt.[1] Das Hochladen von Fotos erfolgt entweder über die flickr.com-Webseite oder über Tools, die auf flickr.com kostenlos angeboten werden. Die Fotos können dann in Alben sortiert und mit Tags versehen veröffentlicht werden. Es gibt die Möglichkeit, Freunde und Bekannte auf den Fotos zu kennzeichnen und über deren Aktivitäten per E-Mail informiert zu werden. Bilder und ihre Beschreibungen können kommentiert und bewertet werden. Durch zusätzliche Geoinformationen können Internettechnologien zu so genannten Mashups vermischt werden. So können die flickr-User die eingestellten Fotos mit Hilfe einer Landkarte direkt der entsprechenden Region zuordnen.

Abbildung 4: Verknüpfung von Fotos mit Regionen bei flickr
Abbildung 4: Verknüpfung von Fotos mit Regionen bei flickr[1]

Mashups gibt es mittlerweile in den verschiedensten Formen. So können auf der Seite www.twitter.com Nutzer Nachrichten von maximal 140 Zeichen eingeben. Die so entstehenden SMS-artigen Einträge werden auch als Micro-Blogs bezeichnet. Wie auch bei flickr vorgestellt wurde, gibt es bei Twitter sowie bei vielen anderen Social Software-Anwendungen wie plazes.com die Möglichkeit, Statements zu den unterschiedlichsten Themen dem eigenen Standort auf der Welt zuzuordnen. Damit ist denkbar, dass eine Frankfurterin, die zu Besuch in New York ist, über twitter.com nach dem besten Kaffee „um die Ecke“ fragt.

Abbildung 5: Wo ist der Blogger? – Twittervision zeigt den Standort
Abbildung 5: Wo ist der Blogger? – Twittervision zeigt den Standort[1]

Ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Beispiel für die Möglichkeiten der Verknüpfung von Inhalten mit Geoinformationen findet sich in Kalifornien. Die Los Angeles Times nutzt ein Mashup, um Zeitpunkt und weitere Informationen zu Tötungsdelikten ortsbezogen darzustellen. Eine statistische Auswertung informiert parallel dazu über das Alter, Geschlecht und die Herkunft der Opfer (vgl. Abbildung 6).

Unabhängig von den ethischen Fragen bei Anwendungen wie dem Mashup der Los Angeles Times zeigen die Beispiele, welche Entwicklungsmöglichkeiten noch in den bisher genutzten Technologien stecken, wenn Inhalte mit Ortsangaben verbunden werden und so das Leben der Menschen immer transparenter wird.

Abbildung 6: Homicide Mashup der Los Angeles Times
Abbildung 6: Homicide Mashup der Los Angeles Times[1]



Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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