A.2.1 Wikis – Schnell, schnell aufschreiben, austauschen und finden

Aus Wikimanagement

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A.1 Social Software-Systeme und Web 2.0 A.2.2 Weblogs, Foto-Alben und Mashups – Mehr als Tagebücher

Mit der Entwicklung der Wikis durch Ward Cunningham im Jahr 1995 wurde die Grundidee des World Wide Web (WWW), Webseiten bearbeiten zu können, realisiert: Eines der Ziele war es, die Forschungsarbeit besser koordinieren und Informationen austauschen zu können, wovon das WWW sich in den 90er Jahren aber durch die zunehmende Kommerzialisierung entfernte.[1] In ihrer Anfangszeit mussten die Wikis ähnlichen Vorbehalten gegenüberstehen wie die ersten Open Source-Projekte, die Ende der 80er Jahre online gingen. Auch dort war die Skepsis gegenüber freien Softwareprodukten wie Linux groß: Wie konnte man dem freigegebenen Quelltext trauen, der auch von hobbymäßigen Programmierern weiterentwickelt wurde? Wie konnte sichergestellt werden, dass keine Lücken auftauchen oder Vandalen ihr Unwesen treiben? Es zeigte sich jedoch, dass die zunächst als Schwachstelle vermutete Offenheit des Quellcodes eine Stärke war, da böswilligen Hackern eine Vielzahl an aufmerksamen und motivierten Anhängern der Open Source-Community gegenüberstanden. Heute sind die Open Source-Produkte durchaus anerkannt und verbreiten sich zunehmend. Aus diesem Erfolg der gemeinschaftlichen Softwareproduktion ist die Idee zur gemeinschaftlichen Produktion von Wissensdatenbanken wieder aufgegriffen worden.[1]

Das Werkzeug für die Umsetzung der Idee und Vision der Wikipedia sind Wikis. Der Name stammt vom hawaiischen Wiki Wiki ab, was soviel wie schnell bedeutet. Denn der Austausch der Informationen soll schnell ablaufen können.[1] Wikis haben sich in den letzten Jahren als Social Software im Web zunehmend etabliert.[1] Sie werden auch als neue Form von Content Management Systemen (CMS)[1] angesehen, mit deren Hilfe Inhalte publiziert werden können. Nicht nur die Software-Systeme zur Erstellung der Inhalte, sondern auch die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Wiki-Software-Systemen werden als Wikis bezeichnet. Derartige Wikis sind offene Sammlungen von Webseiten, die für gewöhnlich von jedem Besucher der Webseite online über ein einfaches Formular bearbeitet werden können. Die einzelnen Seiten des Wikis werden dabei in der Regel automatisch miteinander verlinkt.[1] Seit ihrer Erfindung haben Wiki-Software-Systeme verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen, die meist in Open Source-Projekten immer wieder überarbeitet und verbessert wurden.

Alle Wikis zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihren Nutzern die Möglichkeit bieten, Web-Inhalte ohne Programmierkenntnisse bearbeiten zu können, ohne dass zusätzliche Programme auf dem eigenen Computer notwendig sind. Damit werden die Internetnutzer, die im herkömmlichen Web noch lediglich Leser waren, nun zu Redakteuren.[1]

Abbildung 2: Internetnutzer werden von Lesern zu Redakteuren
Abbildung 2: Internetnutzer werden von Lesern zu Redakteuren[1]

Das wohl bekannteste Wiki-Projekt ist die von Larry Sanger und Jimmy Wales initiierte Online-Enzyklopädie Wikipedia. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren viele weitere Wikis mit Inhalten zu den unterschiedlichsten Themen gefüllt. Mit dem JuraWiki wurde für Juristen und juristisch interessierte eine Kommunikations- und Kooperationsplattform geschaffen,[1] im Wikitravel können alle Informationen zu Reisen und Zielgebieten aufgeschrieben, aktualisiert und abgerufen werden,[1] das Harry Potter Wiki bietet allen Fans des berühmten Jungzauberers eine umfassende Informations- und Austauschplattform.[1] Wikis können für die Abwicklung kleinerer Projekte ebenso eingesetzt werden wie an Universitäten, wo das Wiki als Schwarzes Brett ebenso genutzt werden kann wie für die Unterstützung beim Lernen und Lehren.[1]

Abbildung 3: Die Vielfalt von Wikis
Abbildung 3: Die Vielfalt von Wikis

Die vielfältigen Wikis leben davon, dass einige der interessierten Leser sich als Redakteure betätigen, zum Beispiel indem sie tatsächlich Inhalte erstellen, ergänzen oder verbessern, formale Korrekturen vornehmen oder Qualitätssicherung betreiben. Was die Arbeit mit Wikis ausmacht, wird im Rahmen der Wikipedia-Story (s. Abschnitt A.3 im Wikimanagement-Buch) ausführlicher beschrieben.



Die zitierten Quellen sind im Literaturverzeichnis zu finden.


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